Psychische Gewalt
Misshandlung im Kreißsaal: "Uns ist ganz viel genommen worden"

Ausgelacht und allein gelassen: In einem Youtube-Video erzählt eine Mutter von psychischer Gewalt, die sie in einer deutschen Klinik während der Geburt erlebte. Und sie ist mit dieser Erfahrung nicht allein.

Anna und ihr Mann haben sich jahrelang ein Kind gewünscht. Als sie endlich schwanger wurde, waren die Freude und das Glück groß. Alles lief bestens und es hätte auch eine Traumgeburt werden können. Doch was sie dann erlebte, setzt ihr heute noch zu.

Von Anfang an nahm das Klinikpersonal sie und ihre Bedürfnisse ganz offensichtlich nicht ernst, erzählt sie heute. Hebammen tuschelten, verdrehten die Augen und gaben ihr das Gefühl, hysterisch und überempfindlich zu sein. Das Schlimmste für sie aber war, dass ihr Mann fast die ganze Zeit über nicht dabei sein durfte, angeblich wegen der abgelaufenen Besuchszeit.

Anna will mit ihrer Geschichte aufklären und Mut machen

Anna entschied sich, ihre Geschichte der Familienbloggerin Julia Maria Klein zu erzählen. Klein, ebenfalls Mutter, betreibt das Blog "Das Glückskind" auf Youtube, Facebook und Instagram. Jeden Montag erscheint dort eine neue Folge des Videoformats "Mama Monday", in dem es um Themen geht, die Mütter betreffen.

Und Annas Geschichte ist so ein Thema - und wie! Das fast 40 Minuten lange Gespräch, das Anna mit Julia Maria Klein über ihre Erfahrungen führte, wurde schon fast 20.000 Mal gesehen, in über 250 Kommentaren meldeten sich viele Mütter zu Wort, die ähnliches erlebt haben und froh sind, dass Anna so mutig ist, öffentlich darüber zu sprechen. "Schockierend" nennt auch Julia Maria Klein diese große Zahl.

"Es ist ein Tabuthema, es wird verschwiegen, aber es passiert ganz vielen Frauen", sagt Anna. Und oft löse es auch ein Geburtstrauma aus, das Jahre braucht, um zu heilen. Sie und Bloggerin Julia wünschen sich, dass ihr Beitrag mehr Mütter motiviert, mit ihren schlimmen Erfahrungen im Kreißsaal an die Öffentlichkeit gehen.

Und sie will Erstgebärenden Mut machen, die eigenen Wünsche im Kreißsaal selbstbewusst zu äußern und sich nicht einschüchtern zu lassen. "Eine Mutter hat einen Instinkt und ein Gefühl dafür, was sie in dem Moment braucht und darauf sollte sie hören und es auch durchsetzen."

Die Verletzung heilt nur langsam

Anna hatte dieses Gefühl für den Körper zum Glück, und sie ist heute stolz, dass sie das alles allein geschafft habe.

Aber merkt auch, dass die Erlebnisse sich nicht einfach so wegschieben lassen. Als sie das erste Mal darüber mit ihrer Wochenbett-Hebamme sprach, seien ihr die Tränen gekommen. Und auch ihr Mann leidet heute noch. "Er macht sich Vorwürfe, dass er nicht für mich da sein und mir Gutes tun konnte, wie es die anderen Männer für ihre Frauen machen."

Die Freude über das gesunde Kind, die kleine Leni, sei groß. Dennoch weiß sie: "Uns ist ganz viel genommen worden, was man uns nie wieder geben kann."

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