Kinder kriegen

Kaiserschnitt auf Wunsch: Too posh to push?

Gute Mütter schwören auf eine natürliche Geburt. Diese hat sich trotzdem für den Kaiserschnitt auf Wunsch entschieden {und ist stolz darauf}.

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Ich wollte nie Kinder. Nicht, dass ich Kinder nicht mag - nein, ich bin sogar vernarrt in sie. Aber ich hatte einfach Bammel vor der Verantwortung, den schlaflosen Nächten und vor allem vor der Fremdbestimmung. Jetzt habe ich eins. Einen Sohn.

Für mich war schon vor der Schwangerschaft klar, dass ich bei der Geburt den Weg des geringsten Widerstandes gehen würde. Zu viele Geschichten hatte ich gehört: Nabelschnur um den Hals. Das Kind steckt im Geburtskanal fest. Starker Blutverlust. Die Angst vor den Schmerzen und davor, dass mein Kind wegen Komplikationen vielleicht nicht gesund zur Welt kommen könnte, waren zu groß.

Also habe ich einen Kaiserschnitt bestellt, bezahlt von meinem Mann. 1615,87 Euro hat ihn das gekostet, den Rest hat die Krankenkasse übernommen. Ich wollte: Chefarztbehandlung, Eltern-Kind-Kuschelzimmer, Kühlschrank voll mit Malzbier, eigene Hebamme, Bauchmassage. "Das werden wir dir ja wohl wert sein", habe ich gesagt, da hatte er keine Wahl. Es ist zwar unser gemeinsames Kind, aber immer noch mein Körper.

Wir bestreiten doch keinen Wettkampf - schneller, höher, weiter.

Der Mann einer schwangeren Bekannten, niedergelassener Gynäkologe, hat uns bei einem gemeinsamen Abendessen erklärt, dass für seine Frau nur eine natürliche Geburt infrage komme - ein Kaiserschnitt wäre eine Niederlage für ihn. Da bin ich fast geplatzt. Ich kann nur jeder Frau Mut machen: Habt keine Angst vor euren Ärzten, Hebammen und den anderen Schwangeren im Geburtsvorbereitungskurs. Lasst euch nicht einschüchtern von Sprüchen wie: Du bist wohl too posh to push, also zu fein zum Pressen, wie Posh Spice und die ganzen Promi-Mütter. Um was geht's denn hier eigentlich? Wir bestreiten doch keinen Wettkampf - schneller, höher, weiter. Es geht um ein menschliches Leben, für das ich verantwortlich bin. Und wenn ich mich mit einem Kaiserschnitt sicherer fühle, dann habe ich das Recht, diesen Weg ohne schlechtes Gewissen zu gehen.

Mir ist sieben Stunden vor dem geplanten Termin die Fruchtblase geplatzt, ich durfte ansatzweise spüren, was Wehen sind. Und als ich das Gestöhne und die Schmerzensschreie aus dem Kreißsaal zwei Türen weiter hörte, habe ich mich richtig auf den Eingriff gefreut. Die Geburt war ein Spaziergang. Es wurde viel gelacht im OP, und nach dreieinhalb Minuten war mein Sohn da. Während ich genäht wurde, lag er zwischen den Elektroden und Kabeln an meiner Brust. Ich habe alles ganz bewusst mitgekriegt und kann nur sagen: Das haben wir gut gemacht.

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  • Artikel vom 11.04.2012
  • Text: Sandra Hintze
    Foto: Sevim Aslan
    Ein Artikel aus BRIGITTE MOM Heft 2/2012